Michaels Tagebuch

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10. Winterbach Zeltspektakel

“Abenteuer Zeltspektakel oder als Westfale unter Schwaben”

Der Aufbau

Der erste komplette Aufbautag begann. Viele Helfer waren vor Ort. Ich kannte kaum jemanden. Erst nach und nach lernte ich zu den Gesichtern auch Namen. Da waren u.a. René, Markus, Walter, Steffen, die Andys, das Team (Carla, Johann, Paulina) mit ihren Eltern Sybille und Jürgen, Muggel, Micha, Dominik, Gerdle, Karl, Rainer, Golle (der Einzige der aus dem Norden kommt, wie ich), Alex, Olli, Tempes, Helmut, Jochen, Matthias, Bird, Susanne, Bernd, Elli, Hansi, Feger, Anja, Barbara, Silke, Luise, Gabi, Patrick, Ralph, Martin, Peter, Thomas, KDV, Frank, Vincent, Patti, Benni, Rolf, Harald, Manuel, Eddy, Jürgen, Luka, Achim, Louise, Cheyenne, Geli, Sigrun, Ute, Sabine, Michaela, Lui, Xenia, Mona und viele andere. Allein samstags waren 44 Helfer eingetragen, es waren aber viel mehr vor Ort.

Spätestens beim Namen „Muggel“ keimte in mir der Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Wir wissen ja, in den „Harry Potter“ Romanen steht „Muggel“ für Nichtzauberer. Ich gehe davon aus, dass es auch andere also „Nichtmuggel“ gleich Zauberer gibt. Anders ist die Leistung, die hier erbracht wird oft nicht zu erklären. Ich jedenfalls gehöre zu den Muggeln.

Es wurde eingemessen, gerufen, gesucht und überall wildes Gewusel. Dann erste ziemlich schwere U-Profile verlegt. Auf die Profile kamen dann die Bodenplatten. Muggel, Micha und Karl schoben mit Gabelstaplern unermüdlich Material nach. Die Platten waren alle ziemlich verschmutzt und ließen sich so nicht verbinden. Also Helfer abgestellt zum Säubern. Parallel liefen die Arbeiten am Fundament für die Bühne an.

Eine Ringleitung zur Spannungsversorgung wurde gezogen. 300 m störrisches 4×16 mm^2 Kabel musste vom Peter Hahn Gelände zu den Verteilern. Überall helfende Hände. Der Biergarten wurde aufgebaut, Zelte für Essen und Getränke aufgestellt. Theken, Spülmaschinen, Kühlschränke, Zapfanlagen, Kassiersysteme und vieles mehr installiert. Verlängerungen zur Versorgung der einzelnen Stationen kreuz und quer verlegt. Lichterketten, Strohpuppen, Strohballen, Wohnwagen, Künstlerzelte, Toilettenwagen, Cateringzelt, VIP-Bereich, Kühlwagen, Kühlcontainer und und und aus dem Boden gestampft. VIP- und Backstage-Bereich wurden mit Blumen, Teppichen, verlockenden Sofas und Sesseln wohnlich gestaltet. Ver- und Entsorgung sanitärer Bereiche wurden installiert. Im Zelt werden Bühne und Sitztribüne aufgestellt.

An der Sitztribüne 2 Profis und viele helfende Hände, alles ehrenamtliche Helfer. Unmengen verwirrende und meistens schwere Teile. Aber alles nimmt nach und nach Gestalt an. Immer gegenwärtig das Geräusch von fliegenden Staplern. Hin und wieder summte eine Drohne über unseren Köpfen. Gehörte zu einem Schulprojekt über das Zeltspektakel.

Die Firma PML baut ihre imposante Musik und Lichtanlage auf.

Da jeder in “seinem” Bereich total eingespannt ist, sieht man nicht was rundherum alles entsteht. Plötzlich stehen Zelte, Biertische, Sonnenschirme (die auch im Regen ihren Dienst erfüllen) und vieles mehr. Es wachsen Zäune mit Sichtschutz (der, wie sich später herausstellte, auch durchaus zum Segeln geeignet ist) aus dem Boden.

Am ersten Tag war wohl auch die Presse vor Ort. Tags drauf wurde ein Mann mit grauem Haar in der örtlichen Zeitung abgebildet. Er sah mir (bis auf die gräuliche Verfärbungen der Haare) ähnlich. Später im Hotel lag der Artikel für mich bereit. Der aufmerksame Hotelier hatte ihn für mich hingelegt.

Der Aufbau ging unermüdlich weiter. Ziel: Wenn Amy Macdonald da ist muss alles laufen.

Hat auch funktioniert, bis auf eine Kleinigkeit, wo häufig auch großes Geschäft abgewickelt wird. Also Pumpe eingeschaltet und schon lief’s. Amy nahm es gelassen. Sympathisch! Von den meisten unbemerkt lief die Organisation für die Künstler im Hintergrund an. Abholungen von Hotels, Flughäfen, Essenswünsche, Security-Vorgaben und andere Sonderwünsche mussten beachtet, vorbereitet und abgewickelt werden. Hut ab auch vor dieser Leistung.

Thekenaufbau, Moltontücher aufhängen, letzte Bodenlöcher schließen, Bühne vervollständigen, mehr als 800 Stühle auf der Sitztribüne anbringen, Kühlschränke füllen, Zapfanlagen anschließen und vieles mehr rundeten das Aufbau-Spektakel ab.

Endlich durchpusten. Der Biergarten mit der ersten Band wurde geöffnet. Das Wetter nach wie vor heiß aber gut fürs Geschäft.

Während der Aufbauphase lernte ich auch René kennen.

Klare Anweisung:

  • machen was er sagt
  • nicht quatschen (wer mich kennt, „kein Problem“)
  • und ihm überall hin folgen (ein wenig irritiert und mit den Gebräuchen der Schwaben (noch) nicht vertraut fragte ich, ob das auch für einen möglichen Toilettengang gilt.).

Die Zusammenarbeit mit René hat Spaß gemacht und ich glaube, er konnte mich stundenweise auch ertragen. Beim Essen sagte er seinen Zuhörern: „Mir klingeln nach einer Stunde die Ohren, wenn ich mit Michael zusammen schaffe“. Ich konnte nur antworten, dass ich immer 24 h mit mir zusammen bin und es auch erdulden muss.

Von Heinz erfuhr ich, dass mein Seitenschneider so gar nichts taugt. Ich war mehr der Meinung, das Problem steht vor dem Werkzeug und glaubte zu bemerken, dass mein jugendliches Team ob der Kritik unruhig wurde. So pflichtete ich letztendlich bei, ja es gibt professionelleres Werkzeug. Anderntags war der Seitenschneider im Gewusel verschwunden (tauchte auch nie mehr auf). Eine Gelegenheit Heinz zu necken und ihm vorzuhalten, es sei doch etwas extrem, Werkzeug – wenn auch suboptimales – zu verstecken. Heinz versprach, mir einen vernünftigen Seitenschneider zu schenken. Hat er später auch. Echt klasse.

Das Team hat dann den gesamten Zeltboden nach größeren Löchern abgesucht und diese mit vorbereiteten Metallplatten verschlossen. Irgendwann haben wir abends gegrillt. Es war sehr schön und entspannend. Weiß aber gar nicht mehr, welcher Tag es war. Erste nun auch mentale Verschleißerscheinungen. Habe meinem Sohn Johannes per Whatsapp über den Fortschritt berichtet. Er war sehr erstaunt, was so alles passierte. Ich auch, der Text an ihn war gespickt mit fehlenden „n”s und Verniedlichungen durch Anhängen von „le“ (Wägele, Gerdle, Hämmerle etc.). Ich glaube, ich muss nach Hause: Ich arte aus.